Die Heide

Die Region 38 – unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer nicht näher definierten Gegenwart. Dies sind die Abenteuer der PARTEI 38-Genossen, die viele Promille von der Zentrale entfernt unterwegs sind, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Die PARTEI dringt dabei in Gegenden vor, die nie ein Mensch hätte sehen wollen.

 

Persönliches Computerlogbuch

Genossin D'ings

Sternzeit irrelevant

Nach wochenlanger Odyssee durch die Region sind wir auf dem Weg in einen uns unbekannten Quadranten, spezifiziert als »Heide«, der sich zwischen der Elbe im Nordosten und der Aller im Südwesten erstreckt. Durch intensive Vorbereitung haben wir in Erfahrung gebracht, dass dort vor Urzeiten noch Wisente, Elche und Braunbären lebten, jedoch liegen dem PARTEI-Kommando keine Berichte über ungewöhnliche Aktivitäten in der letzten Zeit entlang dieser Neutralen Zone vor. Wir wissen nicht, was uns erwartet. Nachdem wir einen unerwarteten magnaskopischen Sturm im BS-Sektor überstanden haben, nehmen wir an einem Außenposten ein neues Crew-Mitglied mit an Bord, die Fürsorgerin E'Rika, eine nicht-humanoide Lebensform, die uns bei unserer Mission unterstützen wird.

Als wir endlich in der Südheide landen, sind wir überrascht: Sie blüht in aller Pracht! Wir werden zufällig Zeugen dieses einzigartigen Schauspiels, das sich nur einmal im Jahr für wenige Wochen in der sonst so kargen Landschaft ereignet. Das erklärt auch die Anwesenheit ganzer Schwärme von scheinbar intelligenten Lebensformen, die sich zwischen der Vegetation hin- und hertreiben lassen und die sich durch seltsame Schnattergeräusche zu verständigen scheinen. Wir haben Mühe, uns im Gedränge auf den schmalen Pfaden nicht aus Augen zu verlieren. Wir verharren inmitten dieser unwirklichen Landschaft, die so viel Schönheit ausstrahlt, dass manche glauben, sie besitze mystische Heilkräfte. Wir werden uns dort ausruhen und entspannen, all die Dinge tun, vor denen ich mich fürchte. Zeit und Raum verschwimmen, doch gibt es keine Hinweise auf eine temporale Anomalie. Offenbar bin ich nicht die einzige, die sich an die vergangenen Ereignisse erinnert. Nachdem E'Rika Bodenproben entnommen und Sensorenscans durchgeführt hat, ist unsere Forschungsarbeit hier beendet. Wir nehmen unseren Kurs in Richtung Heimat auf. Um frische Vorräte oder Treibstoff an Bord zu nehmen habe ich befohlen, Gifhorn, das La Mancha der Südheide, anzusteuern, wo einst ein gewisser Don Q. sein Unwesen trieb. Wenn wir Erfolg haben, werden wir das erste Mal mit Lebewesen zusammentreffen, über die wir – Gerüchte ausgenommen – so gut wie gar nichts wissen.

Nachdem wir uns vor Ort unter die Einheimischen gemischt haben, stellen wir zu unserer Freude fest, dass die Berichte über die Gastfreundschaft dieser Spezies nicht übertrieben sind. In dieser sonst so lebensfeindlichen Umgebung sind tausende Bewohner zusammengekommen, um ein Fest* zu Ehren einer Jagdgöttin zu zelebrieren. Wir genießen die Gelegenheit, ihre Kultur ein wenig kennen zu lernen und ihre doch etwas altertümliche Methode der Energiegewinnung durch sogenannte »Mühlen« zu studieren.

Um viele Eindrücke reicher machen wir uns am Abend auf den Heimweg zur Basis. Die ganze Mannschaft hat ausgezeichnet gearbeitet und braucht jetzt Ruhe und ein Bier.

Dies ist die letzte Reise des R'38-Außenteams unter meinem Kommando. Diese Region und seine Geschichte werden bald in die Obhut einer anderen Mannschaft übergeben. Ihnen und ihren Nachkommen vertrauen wir unsere Zukunft an. Sie werden die Reisen fortsetzen, die wir begonnen haben und mutig zu all den unentdeckten Gegenden vorstoßen, wo kein Mensch, wo niemand jemals hin möchte.

 

...Energie, äh, Prost!

 

 

*Altstadtfest Gifhorn

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