Ein Harz und eine Seele

Der folgende Text ist das Ergebnis einer Hausarbeit, die wir unserem doch etwas zu ambitionierten Praktikanten übertragen hatten. Nach reichlich Überzeugungsarbeit konnten wir ihn letztlich doch dazu bewegen, seinen Text im Hinblick auf unsere kleinen Verbesserungsvorschläge noch einmal zu modifizieren, bevor er ihn veröffentlicht. Wir glauben, man wird noch viel von diesem talentierten jungen Mann hören.

 

Scheiss Unsere Harzreise

Der Harz, das höchste Gebirge Norddeutschlands, bildet mit seinen grünen Hügeln und der eintönigen atemberaubenden Natur die südliche Grenze der Region 38 und ist einfach voll langweilig irgendwie nur toll. Finden nicht nur wir.

Schon die Neandertaler entdeckten vor rund 250.000 Jahren die trostlose Gegend Schönheit dieser Berglandschaft. In den folgenden Jahrtausenden und Jahrhunderten prügelten sich Cherusker, Kelten, Elbgermanen und andere Rabauken darum, wer denn in dieser wundervollen Umgebung mit all ihren Bodenschätzen Naturwundern leben durfte.

Einfallslos Bemerkenswert ist schon der Name dieses Mittelgebirges, denn kaum einer weiß, dass »Harz«, früher noch »Hart« genannt, übersetzt »Bergwald« bedeutet. In den wilden Achtzigern bekundete ein weitestgehend talentfreier begnadeter deutscher Musiker seine Verbundenheit mit dem Harz, indem ihm eine musikalische Liebeserklärung machte und den heute weltweit bekannten Titel »You're my Hart, you're my soul« schrieb. Durch völlige Unkenntnis der englischen Sprache einen bedauerlichen Übersetzungsfehler eines chinesischen Simultanübersetzers wurde leider aus dem »Hart« ein »Heart«.

Der Harz ist für so viele schöne Dinge bekannt, die niemanden interessieren aus dem täglichen Leben nicht mehr weg zu denken sind. Da ist vor allem der berühmte Quark »Harzer Käse« zu erwähnen, der zwar "Käse" heisst, na ja, der aber doch eher ein Lifestyleprodukt für übergewichtige Stubenhocker figurbewusste Mittvierziger ist als ein Käse. Drolligerweise nennt ihn der Volksmund "Harzer Roller". Auch dessen gefiederter Namensvetter, ein nerviger Piepmatz kleiner gelber Kanarienvogel mit prägnantem Gesangsstil, erlangte bereits im 19. Jahrhundert weltweite Bekanntheit und ist auch noch heute ein in Seniorenheimen bei Groß und Klein beliebter Hausgenosse.

Heute als Paradies für Biker und Touristenhorden Naturfreunde bekannt, war der Harz noch vor wenigen Jahrzehnten ein wichtigen Standort der Rüstungsindustrie deutschen Industrie, für die damals unzählige Menschen aus dem Ausland als Zwangsarbeiter Arbeitskräfte versklavt wurden beschäftigt waren. Das Leiden und Sterben Leben und Wirken dieser Menschen hat auch im Harz, wie überall in der Region 38, tiefe Spuren hinterlassen. Denn egal, wohin wir auch fuhren, das braune Pack die Dings sind überall sehr präsent gewesen und haben damit der Region ihren Stempel aufgedrückt und sie geprägt.

Erfreulicherweise Zum Glück wurde nach dem Krieg irgendwann eine Mauer gebaut, und vierzig Jahre lang herrschte kalter Krieg ein tolerantes Miteinander zwischen den beiden deutschen Staaten. Echt Mist Nur gut, dass der Brocken, der höchste Berg des Harzes, im sozialistischen Osten lag. Dessen Selbstschussanlagen Antiimperialistischer Schutzwall schützte diesen sagenumwobenen Berg erfolgreich vor dem Ansturm abertausender westdeutscher Bürger, denn »Mehr Schutz für den Brocken« hatte schon der Heimatdichter Visionär und Aktivist Hermann Löns rund fünfzig Jahre zuvor gefordert.

Ob der junge Goethe, der im Jahre 1777 den Giganten bestieg, das alles geahnt hat, als er dieses wirre Zeugs schrieb seine Gefühle auf dem Gipfel später mit folgenden Worten beschrieb: »So einsam, sage ich zu mir selber, indem ich diesen Gipfel hinab sehe, wird es dem Menschen zumute, der nur den ältesten, ersten, tiefsten Gefühlen der Wahrheit seine Seele öffnen will.« ?

Wir vermuten, eher nicht.

 

 

 

 

 

 

Stichwörter: